Berufliche Kompetenz-Entwicklung: Startup Knowledge Hero ermöglicht Lidl-Mitarbeitern digitales Lernen

Das Stuttgarter Startup Knowledge Hero bietet maßgeschneiderte Lernlösungen zur Kompetenzentwicklung und Weiterbildung von Mitarbeitenden in Supermärkten und anderen Organisationen als Software-as-a-Service (SaaS) an. Damit hat das Team unter anderem die Schwarz-Gruppe überzeugt, zu der große Ketten wie Kaufland und Lidl gehören. Im Interview mit Ambivation gibt CEO Florian Sailer exklusive Einblicke in die Kooperation.

Florian, sind die Weiterbildung und Kompetenzentwicklung eigentlich immer noch Themen, die im stressigen Tagesgeschäft von Unternehmen eher unterschätzt und vernachlässigt werden?

Nicht unbedingt! Die großen Unternehmen haben längst erkannt, dass Lernen an sich ein kontinuierlicher Prozess sein muss, bei dem ich die Mitarbeiter nicht allein lassen darf, das betrifft insbesondere auch digitales Lernen. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sieht es aufgrund der begrenzten Kapazitäten häufig noch etwas anders aus. Fakt ist aber: Wer mündige und motivierte Mitarbeitende haben möchte, muss entsprechende Tools zur Verfügung stellen und das eigene Profil in diese Richtung schärfen. Eine smarte Lösung allein reicht dabei nicht. Der Mensch steht weiterhin im Mittelpunkt.

Ihr seid aber eher auf die großen Kunden fokussiert?

Ja, unser Produkt zielt auf Enterprise-Kunden, insbesondere im Supermarkt Bereich. Die Themen Kompetenzentwicklung und Weiterbildung sind dort meistens im HR-Bereich angesiedelt und finden selbstverständlich digital statt. Wir haben zwei Produkte, easyTRAINING, mit dem wir ein breites Spektrum an Unternehmen unterstützen können, und easyPLU speziell für Supermarktkunden.

Bei easyTRAINING geht es darum, dass wir Mitarbeitenden länderübergreifend zertifizieren. easyPLU zielt darauf ab, dass Supermarkt-Mitarbeitenden die PLU-Nummern lernen. Das sind die Nummern, die sie an der Kasse eingeben müssen, wenn du Frischware wie z. B. Äpfel kaufst. Wenn die Mitarbeitenden diese Nummern nicht kennen, führt das zu Verzögerungen, Problemen bei der Inventur und anderen Aufgaben sowie zu Folgekosten. Wir unterstützen die Teams deshalb mit Terminals und mobil auf ihren eigenen Geräten.

Ihr arbeitet bereits mit der Schwarz-Gruppe zusammen, zu der unter anderem Lidl und Kaufland gehören. Kannst du uns ein bisschen mehr über diese Kooperation berichten?

Gern, die Schwarz-Gruppe hat etwa 13.900 Filialen und 575.000 Mitarbeitende in 32 Ländern. Natürlich hat so ein Konzern auch andere Abteilungen, aber wir adressieren mit unserer Software immerhin 90 Prozent der Mitarbeitenden von Lidl. Da in den Märkten so eine große Bandbreite an Menschen mit verschiedener Herkunft und unterschiedlichem Bildungsgrad arbeitet, war es uns besonders wichtig, unsere Lösung intuitiv und barrierearm zu gestalten – natürlich auch für ältere Mitarbeitende.

Wie muss man sich das Ganze vorstellen?

PLU-Nummern auswendig zu lernen, ist an sich nichts besonders Schönes. Und es reicht deshalb nicht, dem Mitarbeitende zu sagen: Du fängst in drei Wochen an der Kasse an, du musst dich jetzt mit diesen Nummern auseinandersetzen. Wir haben uns gefragt, wie kann man das Ganze spaßig und spielerisch gestalten? Deshalb gibt es bei uns z. B. die Möglichkeit, die Nummern mit einer Art Memorie-Spiel zu lernen oder als Mitarbeitende gegeneinander anzutreten. Zudem war es uns wichtig, dass alle im Team sich selbst aussuchen können, in welcher Sprache sie die App nutzen. So lässt sich unsere Lösung z. B. in Deutschland auf Türkisch oder Spanisch einstellen. Und die Nutzer können selbstverständlich zu jeder Zeit auf die Lernlösung zugreifen – und nicht nur, wenn sie gerade vor Ort im Supermarkt sind.

Wie habt ihr die Schwarz-Gruppe von eurer Lösung überzeugt?

Gründer wünschen sich ganz häufig, dass sie ein Problem identifizieren, für das es noch keine sehr gute Lösung gibt, und sie dann mit ihrer Lösung ins Spiel kommen können. In unserem Fall ist es keineswegs so, dass große Unternehmen wie Lidl so eine Software nicht selbst gestalten könnten. Sie haben viele Mitarbeiter und Ressourcen. Konzerne können aber aufgrund ihrer komplexen Strukturen nicht immer schnell UND innovativ zugleich sein. Für uns war es eine wichtige Karte, die wir spielen konnten, dass die Entwicklung und Implementierung mit Knowledge Hero eben statt zum Beispiel in drei Jahren in nur einem Jahr möglich ist.

Vor Knowledge Hero habe ich eine Agentur geleitet und hatte in diesem Kontext schon Kontakt zu Lidl. In Gesprächen wurde damals bereits deutlich, dass das Lernen der PLU-Nummern ein riesiger Pain für die Supermarktketten ist. Es war uns vorher überhaupt nicht klar, was für einen großen Impact es haben könnte, wenn das schneller und einfacher funktioniert. Wir haben also einen Prototypen gebastelt, das Ganze visualisiert und die Zusammenarbeit intensiviert. Ein Schlüsselfaktor war, dass wir im Unternehmen die Fachabteilung als wichtigen Fürsprecher hatten.

Was waren für euch die größten Herausforderungen?

Bei so einem großen Projekt wollen natürlich viele Abteilungen mitsprechen, Personal und IT, der Vorstand entscheidet mit. Das bedeutet, man muss viele Menschen Schritt für Schritt überzeugen und dabei die wichtigsten Karten spielen: Geschwindigkeit. Innovation. Und Zuverlässigkeit.

Das muss man als Startup durchhalten. Für uns hat sich die Geduld aber gelohnt. Wir haben in der Schwarz-Gruppe heute schon 200.000 Nutzer und werden bis Ende des Sommers in 32 verschiedenen Ländern vertreten sein.  

Was entgegnest du Kritikern, die sagen, dass die Menschen in den Supermärkten durch Automatisierung und KI abgelöst werden?

Die Investitionskosten und jährlichen Gebühren für beispielsweise Selbstzahlerkassen sind extrem hoch, deshalb werden sie die Mitarbeitenden in vielen Ländern und absehbarer Zeit sicher nicht komplett ersetzen. Zudem schaffen diese Systeme neue Probleme und verstärken manche alten sogar.

Und KI sehe ich persönlich eher als einen nützlichen Begleiter, denn Menschen werden immer Dinge wissen und lernen müssen. Dafür sind wir da.

Kontakt

Webseite: knowledgehero.de

LinkedIn: Florian Sailer

 

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