Fördermittel beantragen: Berliner Startup SectorPi unterstützt KMUs und Startups
Fördermittel gelten für viele Startups und KMUs noch immer als undurchsichtiger Bürokratie-Dschungel – gleichzeitig können sie ein entscheidender Hebel für Innovation und Wachstum sein. Genau hier setzt SectorPi an: Das Berliner Startup hilft Unternehmen dabei, passende Förderprogramme für Forschung und Entwicklung zu finden und erfolgreich zu beantragen – unterstützt durch eine KI-gestützte Plattform und persönliche Beratung. Im Interview erklärt Victoria Hoffmann, warum Fördermittel kein kurzfristiger Rettungsanker für Liquiditätsprobleme sind, worauf Unternehmen bei Fördermittelberatern achten sollten und weshalb der richtige Zeitpunkt für einen Antrag oft früher kommt, als viele denken.
Victoria, wie würdest du im Elevator-Pitch beschreiben, was ihr bei SectorPi eigentlich macht?
Wir sind eine Fördermittelberatung mit starkem Tech-Fokus und unterstützen KMUs und Startups, die innovative Produkte, Methoden und Verfahren entwickeln, bei der Beantragung von Fördermitteln. Dafür haben wir eine KI-gestützte Plattform entwickelt und kombinieren unser eigenes Produkt mit fachlicher Expertise und persönlicher Unterstützung durch unser Team.

Wie muss man sich diesen Prozess vorstellen?
Der „Fördermittel-Dschungel“ ist für viele Unternehmen sehr unübersichtlich. Deshalb begleiten wir den gesamten Prozess von der Suche bis zur Auszahlung. Das heißt, Unternehmen können sich an uns wenden, sobald es eine Projektidee gibt, aber auch wenn bereits ein innovatives Produkt, Methode oder Verfahren entwickelt wurde und wir uns um eine rückwirkende Förderung kümmern sollen.
Wir starten mit einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch. Darin klären wir, ob das Unternehmen grundsätzlich für Fördermittel infrage kommt und welche Entwicklungsprojekte relevant sein könnten. Anschließend führen wir eine kostenlose Projektanalyse durch und prüfen, welche Förderprogramme zum jeweiligen Vorhaben passen. In vielen Fällen ist die Forschungszulage das passende Förderinstrument. Sie ist technologieoffen, kann auch für bereits begonnene oder abgeschlossene Forschungs- und Entwicklungsprojekte beantragt werden und begründet einen gesetzlichen Anspruch auf Förderung, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Deshalb ist sie für viele Unternehmen besonders relevant.
Ergibt die Analyse, dass eine Antragstellung sinnvoll ist, übernehmen wir den weiteren Prozess. Wir bereiten die erforderlichen Inhalte und Nachweise auf und begleiten alle weiteren Schritte bis zur Auszahlung.
Das klingt erstmal super. Aber wie funktioniert dabei euer eigenes Geschäftsmodell?
Das Marktmodell funktioniert vor allem erfolgsbasiert: Wenn ein Antrag bewilligt wird, erhält man einen prozentualen Anteil der Fördersumme als Vergütung.
Besonders freuen wir uns darüber, dass wir bei allen 150+ Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, bisher eine Erfolgsquote von 100 % aufweisen.
Bedeutet das, Unternehmen, die Innovationen planen oder bereits umsetzen, können auf diesem Wege ihre Projekte komplett finanzieren?
Nein – und hier ist tatsächlich Aufklärung besonders wichtig. Im Rahmen der Forschungszulage kann ca. ein Drittel der Projektkosten erstattet werden. Im Rahmen anderer Programme sind es manchmal auch ca. zwei Drittel. Und jetzt kommt das große ABER: Die Kosten können nur rückwirkend erstattet werden. Das bedeutet: Fördermittel lösen kein Liquiditätsproblem. Die Unternehmen müssen ihre Projekte erst einmal vorfinanzieren, haben dann aber gute Möglichkeiten, einen erheblichen Teil des Geldes wiederzubekommen. Nur im Rahmen des EXIST-Programms der Hochschulen ist eine Vorfinanzierung über die Fördermittel möglich.
Was unterscheidet die Forschungszulage noch von anderen Programmen?
Ein wichtiger Punkt ist: Wenn Unternehmen mit ihren Projekten bestimmte Voraussetzungen erfüllen, haben sie ein Anrecht auf die Forschungszulage. Bei allen anderen Förderprogrammen gibt es eine Konkurrenzsituation mit anderen Antragstellern. Entscheidend ist zudem der Zeitpunkt des Antrags. Wenn Teams schon mit der Entwicklungsarbeit begonnen haben, kommt nur noch die Forschungszulage infrage. Bei allen anderen Programmen ist es wichtig, dass die Projektverantwortlichen sich bei uns melden, sobald die Idee steht. Es dürfen noch keine Entwicklungskosten entstanden sein.
Wer sind eure Kunden und wie lernt ihr diese kennen?
Unsere Kunden sind Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätte in Deutschland. Dazu zählen sowohl Startups als auch etablierte mittelständische Unternehmen. Einen Auszug unserer Kunden zeigen wir auf unserer Website, darunter sind z.B. Bling, Climedo und Zefyron.
Bislang sind unsere Kunden überwiegend über Empfehlungen auf uns aufmerksam geworden – insbesondere durch unser Netzwerk und durch bestehende Kunden. Auf klassische Kaltakquise konnten wir bisher verzichten. Im Zuge unserer starken Wachstumsambitionen werden wir unsere Vertriebsaktivitäten jedoch gezielt ausbauen.
Auf welche Herausforderungen stoßt ihr bei euren?
In unserer Arbeit begegnen uns regelmäßig komplexe Ausgangssituationen, die eine sorgfältige fachliche Einordnung erfordern. Dazu zählen zum Beispiel Widerspruchsverfahren, wenn ein Antrag im ersten Schritt nicht bewilligt wurde. Häufig wenden sich Unternehmen an uns, nachdem sie eigenständig oder mit anderweitiger externer Unterstützung einen negativen Bescheid erhalten haben.
In solchen Fällen prüfen wir die vorhandenen Unterlagen strukturiert, identifizieren fachliche oder formale Schwachstellen und bereiten die Argumentation gezielt neu auf. Dabei profitieren unsere Kunden von unserer Erfahrung im Umgang mit anspruchsvollen Antrags- und Prüfprozessen.
Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, dass die Begriffe „Fördermittelberater“ und „Fördermittelexperte“ in Deutschland nicht geschützt sind. Umso wichtiger ist aus unserer Sicht eine fundierte, transparente und realistische Beratung: mit sorgfältiger Prüfung der Förderfähigkeit, sauber aufbereiteten Unterlagen und klarer Kommunikation zu Chancen, Anforderungen und nächsten Schritten.
Wann sollten Unternehmen hellhörig werden?
Ein besonders wichtiger Punkt ist, dass Projekte nicht doppelt gefördert werden dürfen. Unternehmen sollten daher genau prüfen, welche Fördermittel bereits beantragt oder bewilligt wurden und ob sich einzelne Vorhaben, Kostenpositionen oder Projektzeiträume überschneiden. Andernfalls können erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken entstehen. Aus unserer Sicht ist außerdem entscheidend, dass eine Beratung transparent und realistisch erfolgt.
Hilfreich kann auch sein, sich ein Intro zu bestehenden Kunden geben zu lassen. Dabei lohnt es sich, gezielt nachzufragen, wie der Ablauf tatsächlich war: von der Erstprüfung über die Antragstellung bis zur Kommunikation im weiteren Verfahren.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vergütungsgrundlage. Unternehmen sollten genau prüfen, ob sich eine Provision auf die tatsächlich bewilligte Fördersumme oder auf die förderfähigen Kosten bezieht. Förderfähige Kosten meinen die gesamten anerkannten Projektkosten – die daraus resultierende Förderung ist in der Regel nur ein Anteil davon. Bezieht sich die Provision auf die förderfähigen Kosten, kann die Vergütung des Beraters deutlich höher ausfallen.
Deshalb gilt: Unbedingt das Kleingedruckte lesen!
Gibt es etwas, das du unseren Lesern zum Schluss noch mitgeben willst?
Ja, es kommt immer wieder vor, dass sich Startups zu früh – also, wenn die Finanzierung der Produktentwicklung noch gar nicht steht – oder auch zu spät, wenn sie wissen, dass sie nur noch wenige Monate liquide sind, um Fördermittel kümmern.
Der beste Zeitpunkt, sich mit Fördermitteln zu beschäftigen, ist dann, wenn man sie gar nicht akut braucht, zum Beispiel nach einer erfolgreich abgeschlossenen Finanzierungsrunde. Denn dann haben Unternehmen genug Liquidität, um Projekte vorzufinanzieren, und profitieren in der Regel 6-12 Monate später von einer Liquiditätsspritze, die die Runway erheblich verlängern kann und für die sie keine Unternehmensanteile abgeben müssen.
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Webseite: SectorPi
LinkedIn: Victoria Hoffmann