Digitale Gesundheit und Prävention: DKV und Lifelight kooperieren
Digitale Gesundheit wird zunehmend durch vernetzte Ökosysteme geprägt, die Prävention und Versorgung enger miteinander verbinden. Dieses Interview beleuchtet, wie die Zusammenarbeit zwischen Corporates und Startups dabei hilft, innovative Technologien in skalierbare Gesundheitslösungen zu überführen. Im Zentrum steht QC+ (Quiero Cuidarme Más), die digitale Gesundheitsplattform der DKV, die Self-Care, Prävention und klinische Services in einer nahtlosen Nutzerreise vereint. Ein aktuelles Beispiel ist die Integration von Lifelight, die eine smartphonebasierte Blutdruckmessung ohne zusätzliche Hardware ermöglicht — und zeigt, wie digitale Innovation frühere Erkennung und einen leichteren Zugang zur Versorgung unterstützen kann. In diesem Interview gibt Judit Faus i Garriga, verantwortlich für Innovation bei „Grupo DKV“, Einblicke in das Ökosystem hinter QC+, die Zusammenarbeit mit Lifelight und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Skalierung digitaler Gesundheitsinnovationen.
Judit, worum geht es bei QC+ und dem digitalen Ökosystem von DKV?
QC+ (DKV Quiero cuidarme Más) ist eine digitale Anlaufstelle der DKV für das Thema Gesundheit. Die Plattform vereint Prävention, Self-Care und den Zugang zu klinischen Leistungen in einer einzigen Nutzererfahrung: Nutzerinnen und Nutzer können zum einen ihr Wohlbefinden „managen“ und bei Bedarf nahtlos in die Versorgung wechseln – etwa über den medizinischen Chat, Videosprechstunden mit Hausärzten und Fachärzten sowie spezielle Unterstützungsangebote (z. B. Coaching oder Hebammenchat). Im Hintergrund wird dies durch unsere klinischen Systeme und Care-Management-Lösungen unterstützt, darunter uClinic und unsere elektronische Patientenakten-Umgebung.
QC+ ist dabei Teil des umfassenderen digitalen Ökosystems von DKV, das modular und skalierbar aufgebaut ist. Dieses Ökosystem ermöglicht es uns, sorgfältig ausgewählte Drittanbieter-Lösungen sicher und konsistent zu integrieren, während die End-to-End-Nutzerreise kohärent bleibt. Beispiele sind Mediktor (Symptom-Checker), Lifelight (smartphonebasierte Blutdruckmessung), ReHub (Telerehabilitation), Fragebögen zur mentalen und emotionalen Gesundheit sowie der Zugang zur App memodio vida ( Gesundheitliche Prävention).

Wie ist das neue Lifelight-Feature entstanden?
Das Lifelight-Feature entstand aus einer klaren Präventionspriorität: Wir wollten ein skalierbares Screening kardiovaskulärer Risiken über eine einfache digitale Nutzerreise ermöglichen. Bluthochdruck war hier der Ausgangspunkt, da er weit verbreitet ist, häufig unentdeckt bleibt und eine frühzeitige Identifikation eine rechtzeitige Vorsorge sowie bessere langfristige Ergebnisse unterstützen kann. Unser Ziel war es, Hürden in der Früherkennung zu reduzieren, indem Menschen ihren Blutdruck ausschließlich mit dem Smartphone und ohne zusätzliche Hardware messen können.
Lifelight ist ein starker Partner, da das Startup Innovation mit klinischer und regulatorischer Robustheit verbindet. Die Lösung ist als CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIa für kamerabasierte Blutdruckmessung positioniert und wurde zuvor bereits in realen Anwendungskontexten getestet, etwa in Pilotprojekten mit dem NHS in Großbritannien. Für die DKV stärkt sie das Präventionsangebot innerhalb von QC+ und schafft zugleich eine strukturierte Lernmöglichkeit – für uns und Lifelight – um besser zu verstehen, wie sich innovative digitale Gesundheitslösungen im großen Maßstab etablieren lassen.
Warum ist dieses Feature besonders wichtig für Menschen zwischen 40 und 74 Jahren?
Diese Altersgruppe ist besonders relevant, da das Risiko für Bluthochdruck mit zunehmendem Alter deutlich steigt, gleichzeitig jedoch viele Menschen undiagnostiziert bleiben oder nur unregelmäßig überwacht werden. Die Erkrankung verläuft häufig „still“, sodass proaktives Screening helfen kann, Risiken früher sichtbar zu machen.
Früherkennung ist entscheidend, da sie Lebensstiländerungen sowie eine rechtzeitige, ärztlich begleitete Vorsorge ermöglicht, bevor Komplikationen entstehen. In QC+ machen wir den Einstieg ins Screening besonders einfach und verknüpfen ihn über den medizinischen Chat direkt mit professioneller Unterstützung. Die Hausärztin bzw. der Hausarzt folgt dabei einem klar definierten klinischen Protokoll, sodass die nächsten Schritte sicher, angemessen und individuell auf die Situation der Nutzerinnen und Nutzer abgestimmt sind.
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit eurem Partner Lifelight entwickelt?
Wir haben die Partnerschaft strukturiert aufgebaut und Regulierung, klinische Sicherheit und Nutzererlebnis als eine gemeinsame Designaufgabe verstanden. Da es sich um eine regulierte Lösung handelt, haben wir früh abgestimmt, welche Anpassungen möglich sind, wie Ergebnisse verantwortungsvoll kommuniziert werden und wie das Screening innerhalb von QC+ mit einer ärztlich begleiteten Nachsorge verbunden werden kann.
Parallel dazu haben wir eine operative Grundlage für die Skalierung aufgebaut – in Hinblick auf das Management der Gerätekompatibilität, Reporting-Strukturen sowie ein gemeinsames KPI-Framework zur Messung von Nutzung, Experience und klinischer Wirkung – ohne jedoch Erfolg allein auf eine einzelne Kennzahl zu reduzieren. Dies ermöglicht uns den Übergang in eine kontinuierliche Phase der Optimierung und des Lernens, in der sowohl die DKV als auch Lifelight den Service fortlaufend weiterentwickeln.
Habt ihr bereits Feedback zum neuen Feature erhalten?
Wir haben erste Rückmeldungen von Nutzerinnen und Nutzern aus der Zielaltersgruppe sowie aus dem operativen Monitoring erhalten. Dieses Feedback fließt bereits in die nächsten Iterationen ein. Erste Erkenntnisse zeigen, dass der Service sehr überzeugend ist, gleichzeitig aber noch Potenzial besteht, die „Conversion“ vom Messergebnis zur nächsten klinischen Handlung zu verbessern. Das betrifft insbesondere auffällige Ergebnisse, bei denen wir möchten, dass mehr User und Userinnen den medizinischen Chat starten und die empfohlenen Folgeschritte abschließen.
Ein zentraler Verbesserungsbereich besteht daher darin, den Übergang von der Messung zur ärztlich begleiteten Nachsorge zu stärken, den Mehrwert klarer zu kommunizieren und mögliche Reibungspunkte im Prozess zu reduzieren.
Kannst du uns schon einen Ausblick für die nächsten Monate geben?
Im Jahr 2026 freuen wir uns im Zusammenhang mit Lifelight darauf, den Schritt von einem erfolgreichen Rollout hin zu messbarer langfristiger Wirkung zu machen. Das bedeutet, die End-to-End-Nutzerreise weiter zu optimieren, sodass mehr Menschen das Screening vollständig durchführen und bei auffälligen Ergebnissen die richtigen nächsten Schritte gehen und Versorgung in Anspruch nehmen.
Darüber hinaus geht es 2026 darum, die Geschwindigkeit zu erhöhen, mit der die DKV digitale Gesundheitsinnovationen einführt und skaliert, unser Ökosystem weiter zu stärken und den Zugang zur Versorgung noch nahtloser zu gestalten sowie Personalisierung im großen Maßstab voranzutreiben.
Zudem möchten wir kontinuierliche, personalisierte Prävention weiter ausbauen, etwa durch PPG-basiertes Screening, prädiktive Risikomodelle und validierte digitale Therapeutik, bei gleichzeitiger Wahrung von Vertrauen und klinischer Sorgfalt. Unser aktueller Certificate-DKV-Prozess unterstützt uns dabei durch eine strukturierte Bewertung, mit der wir Lösungen priorisieren, die sicher, wirksam und für unsere Kundinnen und Kunden tatsächlich wertvoll sind.
Letztlich begeistert uns vor allem, sicherzustellen, dass Innovation in echten Mehrwert im Alltag übersetzt wird, damit sich Menschen wirklich unterstützt fühlen, bessere Gesundheitsentscheidungen treffen können und Technologie menschliche Versorgung sinnvoll ergänzt.
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Website: dkv.es/corporativo/
LinkedIn: Judit Faus i Garriga