Nachhaltiges Bauen mit Biokohlenstoff: MARKGRAF und ecoLocked kooperieren

Innovation passiert selten zufällig – sie braucht Raum, Fokus und vor allem Menschen, die sie aktiv vorantreiben. Einer dieser Menschen ist Dr. Thorsten Opel, Innovationsmanager bei MARKGRAF und damit die Schnittstelle des Unternehmens zur Startup-Welt. Sein Auftrag: Potenziale erkennen, Technologien identifizieren und gemeinsam mit internen und externen Partnern in die Umsetzung bringen. Im exklusiven Interview mit Ambivation berichtet Thorsten über die Kooperation von MARKGRAF mit dem Startup ecoLocked, die Vorteile des Bauens mit Carbonbeton – und sogar über eine spürbare Aufbruchsstimmung in der Baubranche.

Thorsten, du bist Innovationsmanager bei der Bauunternehmung MARKGRAF. Dass solche Stellen in Unternehmen geschaffen werden, ist noch ein relativ neues Phänomen. Wie kam es bei euch dazu?
Innovation ist eines der zentralen Unternehmensziele bei MARKGRAF Man hat erkannt, dass im Tagesgeschäft oft zu wenig Zeit bleibt, um innovative Ansätze voranzutreiben. Zudem ist MARKGRAF ein großes Unternehmen mit vielen Bereichen, in denen spannende Ideen entstehen, die ohne zentrale Koordination leicht im Sande verlaufen. Meine Aufgabe ist es, diese Ansätze sichtbar zu machen und umzusetzen.

Welche Aufgaben bestimmen deinen Alltag? Welchen Stellenwert spielt die Kooperation mit Startups dabei?
Technologie-Scouting und die Beobachtung von Marktbegleitern sind zentrale Themen. Hinzu kommen beispielsweise Pilotprojekte wie der Einsatz von Robotiksystemen (z. B. Malerroboter von Conbotics oder HP SitePrint) oder auch die Kooperation mit ecoLocked. Außerdem bin ich viel unterwegs – auf Konferenzen und Veranstaltungen – um am Puls der Zeit zu bleiben. Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist die interne Platzierung solcher Themen: Unterschiedliche Stakeholder müssen eingebunden, komplexe Zusammenhänge verständlich vermittelt und neue Ansätze überzeugend dargestellt werden. Gerade hier zeigt sich, wie wertvoll die Zusammenarbeit mit Startups ist, da sie frische Impulse liefern und Innovation in Bereichen wie Digitalisierung und KI vorantreiben.

Ihr wart erst kürzlich aufgrund eurer Kooperation mit dem Startup ecoLocked in der Presse. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Wir hatten Biokohlenstoff bereits als strategisch wichtiges Thema identifiziert und wollten zielgerichtet in diese Richtung gehen. Der erste persönliche Austausch mit ecoLocked fand auf dem Klimafestival für die Bauwende 2024 statt – und schnell war klar, dass ecoLocked mit seiner betontechnologischen Expertise der ideale Partner für MARKGRAF ist.

Was hat euch bei ecoLocked überzeugt?
Ausschlaggebend war die Fachkompetenz von ecoLocked im Betontechnologie-Bereich. So konnten wir den Aufwand für die Rezeptentwicklung geringhalten. Grundlegend motiviert uns die CO₂-Reduktion – aktuell gibt es kaum skalierbare Alternativen, um den CO₂-Treiber Beton zu dekarbonisieren.

Was kannst du uns zu eurem aktuellen Bauprojekt berichten und wie stark konntet ihr den ökologischen Fußabdruck gegenüber dem Einsatz konventioneller Materialien sparen?
Wir errichten mit dem Gerhard-Markgraf-Bildungszentrum ein unternehmenseigenes Trainings- und Ausbildungszentrum mit drei Trainingshallen für die witterungsunabhängige Aus- und Weiterbildung, einem Auditorium mit Sitztreppe und fünf modular nutzbanren Schulungs- und Besprechungsräumen. Die Zwischenwände der Trainingshallen wurden mit ecoLocked-Material modifiziert. Der CO₂-Fußabdruck des Betons konnte um ca. 80 %, der der Fertigteile (inkl. Bewehrung) um ca. 60 % reduziert werden. Insgesamt wurden über 10.680 kg CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt – ein starkes Signal für klimafreundliches Bauen.

Welche Herausforderungen gab es bei diesem Projekt und wie habt ihr die gemeinsam überwunden?
Die größte Hürde war die Zustimmung im Einzelfall. Dank unserer Erfahrung aus dem parallelen Neubau eines Bürogebäudes an einem unserer Produktionsstandorte aus Carbonbeton-Fertigteilen hatten wir den Umgang mit regulatorischen und technischen Fragestellungen bereits verinnerlicht. Dieses Projekt war ein Meilenstein: Ein mehrgeschossiger Neubau, komplett nichtmetallisch bewehrt mit Carbonbeton-Fertigteilen – im Tragwerk befindet sich nicht ein Gramm Baustahl. Eine weitere Herausforderung war die Integration des neuen Materials in unseren Herstellungsprozess, was eine enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten erforderte.

Was zeichnet den verwendeten Biokohlenstoff gegenüber anderen innovativen Materialien aus? Ihr habt ja viel getestet. Was ist euer Fazit?
Biokohlenstoff bietet die Möglichkeit, Kohlenstoff aus Biomasserückständen langfristig im Beton zu binden. Das Material ist perspektivisch in bestehende Prozesse integrierbar. Unser Fazit: Biokohlenstoff ist ein vielversprechender Ansatz, der nicht nur CO₂ reduziert, sondern auch die Wertschöpfungskette erweitert – hin zu einer Kreislaufwirtschaft, in der Reststoffe sinnvoll genutzt werden. Damitkönnen wir einen Beitrag zu einer klimaverträglichen Bauweise leisten, die technisch machbar und wirtschaftlich darstellbar ist.

Die Baubranche steht im Moment vor vielen Herausforderungen. Was sind für dich die wichtigsten Entwicklungen, die dennoch Grund für Optimismus geben?
Es gibt eine spürbare Aufbruchstimmung. Viele Akteure denken über den Impact ihres Handelns nach. Digitalisierung, neue Materialien und Kreislaufwirtschaft sind zentrale Treiber. auch Banken setzen zunehmend auf Dekarbonisierung – das ist ein starkes Signal.

Welche Empfehlung würdest du anderen Unternehmen geben, die vielleicht gerade erst mit dem Gedanken spielen, durch die Kooperation mit Startups innovativer zu werden?
Mut zur Zusammenarbeit! Startups bringen frische Perspektiven und Geschwindigkeit. Natürlich gibt es Vorurteile, aber die Realität ist oft anders. Unser Beispiel zeigt: Der erste Kontakt war im November 2024 auf dem Klimafestival. Heute – ein Jahr später – sprechen wir über ein erfolgreiches Pilotprojekt, dessen Fertigteile seit Spätsommer 2025 auf der Baustelle montiert sind. Wer offen bleibt, kann echte Meilensteine erreichen.

Kontakt

Webseite: www.markgraf-bau.de

LinkedIn: Bauunternehmung MARKGRAF