Kooperation von AOK Plus und Endo Heath: Endo-App verbessert Versorgung von Betroffenen
Etwa 15 Prozent der Frauen in Deutschland leiden unter Endometriose. Bei der Erkrankung wächst Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle, was zu extremen Schmerzen und nicht selten auch einem unerfüllten Kinderwunsch führen kann. Leider wird die Erkrankung oft nicht gleich erkannt. Und auch die Therapie gestaltet sich alles andere als einfach. Dr. Nadine Rohloff und ihr Team von Endo Health haben es sich zum Ziel gesetzt, den Betroffenen mit der Endo-App praktische Hilfe zu geben und gleichzeitig neue Erkenntnisse zu sammeln, um die Versorgung der Patienten langfristig zu verbessern. Wir haben mit der Ärztin und Startup-Gründerin über ihre wichtige Arbeit und die aktuelle Kooperation mit der AOK Plus gesprochen.

Nadine, wie seid ihr auf die Idee zur Endo-App gekommen?
Das Thema Endometriose ist mir zum ersten Mal in meinem Humanmedizinstudium an der Universität Münster begegnet. Nach dem Abschluss habe ich bis 2018 im Endometriosezentrum des Frauenklinikums der Uniklinik Münster gearbeitet. Dort hatte ich tagtäglich mit den Betroffenen zu tun und mir sind immer wieder die Schwierigkeiten der Diagnosefindung und der individuellen Therapie aufgefallen.
Eine wichtige Erkenntnis war, dass ein gutes Selbstmanagement und ein multimodaler Therapieansatz grundlegende Säulen in der Therapie der Endometriose sind, aber bisher in der Praxis nicht weitreichend umgesetzt werden. Das liegt daran, dass die Endometriose trotz steigender Popularität, immer noch nicht genug Aufmerksamkeit bekommt und die Datenlage über die Erkrankung bisher noch limitiert ist.
Endometriose ist bis heute nicht vollständig heilbar. Deshalb ist es wichtig, dass die Betroffenen bestmöglich über Ihre Erkrankung informiert werden, um den Leidensdruck zu vermindern und an Lebensqualität zurückzugewinnen.
Die Endometriose App hat sich zum Ziel gemacht die Patient:innen zu unterstützen, zu informieren und die Gesundheit zu verbessern. Langfristig können die Daten Aufschluss über weitere Therapieoptionen geben, um bestmögliche individuell angepasste Konzepte zu finden.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Endo-App nun vorläufig als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zugelassen. Warum ist das für euch so wichtig?
Die Endo-App ist seit Herbst 2022 als DiGA (App-auf-Rezept) vom BfArM gelistet. Uns ist es wichtig, die App so vielen Frauen wie möglich kostenlos zur Verfügung zu stellen und sie gleichzeitig ins Gesundheitssystem zu integrieren, also Teil der Regelversorgung zu werden. – Mit dem Ziel: „Die Endo-App für alle“. Für viele Endometriose-Patient:innen fallen bereits hohe Kosten für das Selbstmanagement an, die wir mit der Endo-App nicht noch potenzieren wollten.
Ganz im Gegenteil, die Endo-App soll kostenfrei für die Nutzer:innen bleiben. 73 Millionen Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung haben einen Anspruch auf eine Versorgung mit Apps-auf-Rezept. Und viele private Krankenversicherungen ziehen nach. Das ist einfach der beste Weg für die Betroffenen.
Ihr kooperiert seit Kurzem mit der AOK-Plus. Wie ist die Kooperation ausgestaltet? Welchen Mehrwert bietet die Kooperation den Versicherten?
Wir verfolgen mit der AOK-Plus das gemeinsame Ziel, die Endometriose-Versorgung zu verbessern. Im Zentrum unserer Zusammenarbeit steht dabei mehr Aufmerksamkeit und „Awareness“ für die Krankheit zu generieren und zudem über sie zu informieren. Wir konnten durch unsere gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit in Form eines Podcasts, einer Sticker-Aktion sowie durch unsere Social-Media Kampagne bereits viele Betroffene und Nicht-Betroffene erreichen.
Außerdem haben wir gemeinsam Fortbildungen für Ärzt:innen über Themen wie Selbstmanagement, Multimodale Schmerztherapie und die Endo-App angeboten. In der Zusammenarbeit übernimmt die AOK-Plus Teile der Organisation, während wir passende Inhalte beisteuern, um zusammen auf unterschiedlichen Wegen die bestmögliche Versorgung für Endometriosepatient:innen zu gewährleisten.
Besonders freut uns, dass die digitale Gesundheitsanwendung Endo-App als AOK-Plus Leistung genutzt werden kann.
Wir sind auch weiterhin im Austausch, um gemeinsam die Versorgung zu verbessern.
Wie profitiert ihr als Startup und was hat die AOK davon?
Durch die Kooperation mit der AOK-Plus gewinnen wir wertvolle Einblicke. Wir lernen Strukturen und Arbeitsprozesse in einer großen Versicherung kennen. Der regelmäßige und enge Kontakt sorgt dafür, dass wir uns auf kurzem Wege gegenseitig Feedback geben können, um die bestmögliche Versorgung für die Betroffenen zu ermöglichen. Unterm Strich gilt aber: Die größten Profiteure der Kooperation sollen die Patient:innen sein.
Wie habt ihr überhaupt den Fuß in die Tür bei so einer großen Versicherung bekommen?
Die AOK-Plus engagiert sich regelmäßig in die Startup-Szene. Über das „Spin-lab“, ein Startup-Accelerator, das junge Unternehmen fördert, sind wir schließlich in Kontakt gekommen. Passend war die Kooperation mit der AOK-Plus für uns, wegen deren Fokus auf junge Menschen und Familien.
Gab es für euch im Rahmen der Kooperation besondere Herausforderungen und wie habt ihr diese gemeistert?
Klar, die gibt es immer! Eine der Herausforderungen war die unterschiedliche Arbeitsweise von Startups im Vergleich zu Versicherungen. Auch die „Konzerngröße“ von Versicherungen spielt da eine Rolle, schließlich müssen viele Stakeholder mit einbezogen werden, was Prozesse verlangsamen kann. Als Startup ist man da etwas agiler, dafür aber auch auf schnelle Entscheidungen angewiesen. Solche Kollaborationen sind aber natürlich auch Lernprozesse. So können wir die Herausforderung in etwas Positives ummünzen.
Was hat euch im Rahmen dieser Kooperation geholfen? Gab es für dich persönlich ein besonderes Learning?
Das Spinlab hat die Zusammenarbeit moderiert. Somit haben wir einen dritten Partner im Boot, der Verständnis für beide Seiten aufweisen kann und vermitteln oder sozusagen auch übersetzen kann, wenn die Welten Startup und Versicherungsgesellschaft aufeinanderprallen. Ein schönes Learning war aber auch, zu sehen, dass es unseren Ansprechpartner:innen bei der AOK-Plus wirklich um die Betroffenen geht, sodass wir da gut und ehrlich zusammenarbeiten konnten.
Plant ihr die Kooperation in Zukunft noch zu intensivieren oder auszubauen?
Bei der Unterstützung von Betroffenen durch Endometriose gibt es noch viel zu tun! Bei unserem Kampf für Endometriosepatient:innen hat sich die AOK-Plus als wertvoller Partner erwiesen. Daher können wir uns eine Intensivierung sehr gut vorstellen.
Wie entkräftest du im Gespräch mit Kooperationspartner Vorbehalte gegenüber Startups?
Durch transparente Kommunikation lässt sich da viel erreichen. Allein dadurch bauen sich viele Vorbehalte praktisch von selbst ab.
An welchen Trends und Entwicklung in puncto Digitalisierung kommen Akteure im Gesundheitswesen wie etwa die Krankenkassen aus deiner Sicht in Zukunft nicht mehr vorbei?
Heutzutage kommt an der Digitalisierung niemand mehr vorbei. Dennoch müssen digitale Innovationen im deutschen Gesundheitssystem leider noch viele Hürden nehmen. Unausweichlich erweist sich meiner Meinung nach zum Beispiel die Digitalisierung von bürokratischen Aspekten – sowohl für Ärzt:innen als auch für Patient:innen. Es gilt jetzt schon – je digitaler einer Krankenkasse ist, desto attraktiver ist sie für Versicherte.
Digitale Lösungen sollten nicht nur als Herausforderungen, sondern vor allem als Chancen wahrgenommen werden. Davon würden alle Akteur:innen im Gesundheitswesen profitieren. Wer die Digitalisierung schleifen lässt, verbaut sich so manche Gelegenheit. Insbesondere sollten unter der Wahrung des Datenschutzes und auf verantwortungsbewusste Art und Weise Daten im Sinne der allgemeinen Gesundheit ausgewertet werden dürfen.
Kontakt
Webseite https://endometriose.app/endo-app/
LinkedIn: Nadine Rohloff