PropTech: Startup Wohnungshelden unterstützt Berliner Gewobag bei Digitalisierung

Mit einem Bestand von über 70.000 Wohnungen in Berlin gehört die Gewobag zu den größten Wohnungsunternehmen Deutschlands. In Kooperation mit dem Münchener PropTech Wohnungshelden hat das 100-jährige Berliner Traditionsunternehmen jetzt seinen Vermietungsprozess digitalisiert. Wir haben uns mit Projektleiter Norman Schönemann über die gemeinsame Erfolgsgeschichte unterhalten.

Herr Schönemann, an welchem Punkt haben Sie sich im Unternehmen entschlossen, das Thema Digitalisierung in Angriff zu nehmen?

Der Impuls kam nicht von außen, sondern direkt von innen: Wir haben gemerkt, dass unsere Prozesse immer facettenreicher werden und auch die politischen Anforderungen an uns als landeseigenes Wohnungsbauunternehmen wachsen. Unsere bestehenden Verfahren konnten das in Gänze nicht immer ausreichend effizient abbilden. Deshalb war klar: Wir brauchen andere Lösungen und digitale Unterstützung!

Können Sie uns anhand eines Beispiels beschreiben, wie Ihre Abläufe vorher aussahen und was sich durch die Software von Wohnungshelden geändert hat?

Ja, gern! Es kann zum Beispiel vorkommen, dass bestehende MieterInnen aufgrund von Renovierungsmaßnahmen zwischenzeitlich in andere Wohnungen umgesetzt werden.  Dieser Prozess war zuvor mit vielen offenen Koordinaten und Fragestellungen verbunden – nicht zuletzt auch mit einer Menge Papier. Heute können wir Umsetzbedarfe inklusive aller Parameter wie Wohnraumgröße und Ausstattung mit wenigen Klicks digital erfassen. Die Gesuche werden dann bestimmten Prioritäten zugewiesen. Gibt es dann eine freie Wohnung, können wir MieterInnen mit besonderem Bedarf sofort ermitteln und ihnen die Wohnung anbieten.

Ist die Schnittstelle zum System von Wohnungshelden für Ihre KundInnen sichtbar?

Auf unserer Website können sich Interessierte aktuelle Mietangebote online ansehen. Wenn sie Kontakt mit uns aufnehmen und ihr Interesse bekunden, fragen wir bereits erste notwendige Informationen über das System von Wohnungshelden von ihnen ab. Die Schnittstelle verläuft hier fließend.

Warum haben Sie sich entschieden, sich in puncto Digitalisierung externe Unterstützung durch ein Startup zu holen?

Der Fokus unserer Arbeit als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft liegt vorrangig im Schaffen bezahlbaren Wohnraums für die wachsende Stadt Berlin. Die Entwicklung von Softwareprodukten wie diesem, können wir inhouse nicht abbilden. Wir haben uns nach einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren mit verschiedenen BewerberInnen für die Wohnungshelden entschieden, weil ihr Produkt sehr modern und intuitiv zu bedienen ist. Auch der Teamgeist der Wohnungshelden hat uns in der Zusammenarbeit überzeugt. Sie haben das System entsprechend unserer individuellen Unternehmensbedürfnisse weiterentwickelt – und das schnell und zuverlässig.  Dass es sich dabei um ein Startup handelt, war aus unserer Sicht weder ein Vor- oder Nachteil, zumal die Wohnungshelden zuvor bereits andere namenhafte Kunden des deutschen Wohnungsmarktes im Portfolio hatten.

Wie können wir uns den Prozess Ihrer Zusammenarbeit genauer vorstellen?

Die Wohnungshelden haben uns ein Produkt nach unseren individuellen Bedürfnissen kreiert: Die Grundfunktionalität der Software wurde dabei für unsere Zwecke mit verschiedenen Erweiterungen und Anpassungen modifiziert. Dieser Adaptionsprozess des Produktes war ein iteratives, agiles Vorgehen. Wir haben mehrere gemeinsame Workshops veranstaltet, in derer Nachgang die Wohnungshelden gemeinsam mit uns manche Ideen umgesetzt und einige wieder verworfen haben. Dazu braucht es Mut! Am Ende dieses Prozesses ist genau das Produkt entstanden, das wir uns gewünscht haben.

Das klingt, als ob Sie die Kooperation aus heutiger Perspektive auf jeden Fall als Erfolgsgeschichte betrachten.

Definitiv! Wir haben schon am Anfang gespürt, dass wir mit den Wohnungshelden den richtigen Projektpartner zur Entwicklung dieses Produktes an unserer Seite haben. Das Produkt passt seinen Rahmen unseren Bedürfnissen an und nicht andersherum. Das ist nicht immer so. Zudem war ich persönlich beeindruckt, wie das Team die Zusammenarbeit als Win-Win-Situation erkannt hat. Die Wohnungshelden sind für uns ein fairer Projektpartner, dem ein nachhaltiger Umgang mit uns als Kunden wichtig ist.

Gibt es Punkte, an denen ein 100-jähriges Unternehmen von einem jungen Startup lernen kann?

Die Wohnungshelden sind sehr dynamisch und offen für neue Herausforderungen. Sie gehen einfach mit, wenn die Welt sich ändert und Ideen dazukommen oder verworfen werden. Als großes Unternehmen hilft es, dorthin zu schauen, um beweglich zu bleiben.

Was planen Sie für die gemeinsame Zukunft?

Wir werden die Funktionen des Systems aus den Erfahrungen des Livebetriebs weiterentwickeln sowie den aktuellen Stand als Basis nutzen um neue Funktionen zu ermöglichen, bspw. planen wir Bonitätsauskünfte über das System Wohnungshelden in Echtzeit abzurufen und Zusatzservices für Interessenten und MieterInnen einzubinden.

Kontakt: www.gewobag.de

Fotos: Titel –  Headway on Unsplash, Portrait – Tina Merkau

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