Da liegt was in der Luft! – Startup air-Q entwickelt Luftanalysator für KMUs und Privathaushalte

Wer hat es nicht schon erlebt? Ob an der Uni, im Büro oder im heimischen Kinderzimmer – in ungelüfteten Räumen stellen sich schnell Müdigkeit und schlechte Laune ein. Doch nicht immer ist fehlender Sauerstoff das einzige Problem. Feinstaub, Schadstoffe und Schimmel können zum echten Risiko für unsere Gesundheit werden. Das Leipziger Startup air-Q will jetzt mit einem neuartigen Luftanalysator frischen Wind auf den Markt bringen, der verschiedene Werte misst und über eine App Verhaltenstipps gibt. Geschäftsführer Mario Körösi (rechts im Bild) hat uns das Projekt vorgestellt.

Mario, die Idee zu air-Q stammt von deinem Mitgründer Dr. Daniel Lehmann. Wie hat er dich überzeugt, dass daraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell entstehen könnte?

Daniel hat bereits 10 Jahre Erfahrung im Bereich Sensortechnologie gesammelt. Eines Tages kam er mit einer Kiste zum Mittagessen in die Mensa der Uni Chemnitz, in dem sich ein Steck-Mainboard mit einem Wirrwarr aus Kabeln und Elektronik befand. Dazu hatte er eine kleine Software programmiert, die er mir auf dem Handy zeigte. „Guck mal, ich kann jetzt hier die Luft live messen.“ Ich habe das sofort ausprobiert, mal reingepustet und fand die Idee direkt genial. Eigentlich hatte er das damals noch namenlose Gerät nur für sich privat entwickelt. Wir haben dann allerdings einige Marktrecherchen unternommen und relativ schnell entschieden, daraus gemeinsam ein Business zu machen.

Welche Hürden musstet ihr anschließend nehmen?

Die erste Herausforderung war, das Ding zu minimieren und für den normalen User handhabbar zu machen. Gleichzeitig ging es darum, dass das Gerät und die Software auch für Menschen, die technisch nicht so versiert wie Daniel sind, bedienbar wird. Innerhalb der letzten zwei Jahre ist uns das gelungen. Dafür haben wir eine entsprechende Mobil- und Web-App entwickelt.

Wir haben gehört, dass ihr aktuell eine Crowdfunding-Aktion vorbereitet.

Ja, unser Ziel ist es, zunächst 500 Geräte zu verkaufen und auf diesem Weg einen sechsstelligen Betrag einzunehmen. Gleichzeitig möchten wir uns selbst und unseren Investoren beweisen: Die Idee findet Abnehmer! Die Crowdfunding-Kampagne ist zu finden unter www.air-q.com/kickstarter.

Wer ist eure Zielgruppe?

Unsere Zielgruppe sind Leute, denen ein gesunder Lifestyle wichtig ist. Luft ist das wichtigste „Lebensmittel“. Zudem profitieren beispielsweise Kunden, die zuhause einen Kamin oder eine Gasheizung haben. Hier dient das Gerät als Alarmgeber, wenn etwa der Kohlenstoffmonoxid-Wert in gefährlicher Weise steigt. Darüber hinaus haben wir bei Gesprächen auf Messen festgestellt, dass unser Produkt auch für Firmen interessant ist.

In diesem Zusammenhang habt ihr einen speziellen Leistungsindex kreiert. Was steckt dahinter?

Ja, schlechte Luft schädigt nicht nur unsere Gesundheit, sie mindert auch die Leistung von Mitarbeitern. Es gibt inzwischen Studien, die belegen, dass man bei einem bestimmten Kohlendioxidanteil in der Luft 30 bis 40 Prozent weniger produktiv ist. Auch hier alarmiert das Gerät, wenn sich die Werte in eine negative Richtung bewegen. Über den gemessenen Kohlenstoffdioxidgehalt können wir aber auch andere interessante Aspekte überprüfen – z.B. ob sich eine Person im Raum befindet oder ein Fenster offensteht. Hier kommen also auch Sicherheitsfragen ins Spiel. In einem Kindergarten wurde durch unser Gerät außerdem ein Wasserschaden entdeckt – die Luftfeuchtigkeit war dort innerhalb weniger Tage messbar gestiegen.

Air-Q Gerät

Das klingt auf jeden Fall spannend. Besteht dabei aber nicht auch die Gefahr, sich verrückt zu machen? Man kann ja nicht einfach in den Wald ziehen, wenn die Werte schlecht sind.

Da gebe ich dir völlig Recht. Der air-Q ist ein Gerät, das Menschen in gewisser Weise zur Geisel der Technologie machen kann. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt ja auch viele Leute, die beispielsweise Fitness-Tracker verwenden, da sie Spaß an Daten zu ihrem Körper und ihrer Umgebung haben. Mit dem air-Q kann herauskommen, dass du ganz miserable Luft hast und scheinbar nichts dagegen tun kannst, weil deine Wohnung an einer großen Straße liegt. Dann kannst du überlegen, ob du das akzeptierst oder das Problem grundlegend anpackst, indem du dort wegziehst oder dich politisch engagierst. In jedem Fall wird aber erkennbar, wann das Fenster besser nicht zu öffnen ist. Das kann dir dann übrigens über die aktuellen Sprachassistenten wie Google oder Alexa mitgeteilt werden. In jedem Fall ist Nicht-Wissen meiner Meinung nach auch keine Lösung.

Wie reagieren potentielle Firmenkunden auf euer Gerät?

Wir arbeiten vor allem mit kleinen und mittelständischen Industrieunternehmen zusammen. Das erste Feedback ist oft: „Das ist ja cool – das brauchen wir auch!“ Trotzdem haben wir noch zu kämpfen, denn die Aufträge, die schließlich ausgelöst werden, sind häufig doch kleiner als in der ersten Euphorie angekündigt. Unsere Erfahrung ist: Je größer Unternehmen sind, desto langsamer und risikoaverser sind sie. Das verstehe ich auch in gewisser Weise. Wir sind z.B. ein Unternehmen, von dem man noch nicht weiß, ob es in einem Jahr noch existiert. Da hat man natürlich Angst, größere Aufträge auszulösen. Die ist allerdings unberechtigt. Unser Gerät funktioniert autark, auch wenn es uns nicht mehr geben sollte, da für den Betrieb kein Onlinedienst zwingend ist. Zudem konnten wir mittlerweile einen Investor für uns gewinnen. Uns wird es also noch eine ganze Weile geben.

Kooperiert ihr auch mit anderen Startups?

Ja, zum Beispiel mit der 3dvisionlabs GmbH aus Chemnitz. – Und das ist wesentlich einfacher! Die Firma ist auf Kamerasysteme spezialisiert, die analysieren, was Personen im Raum tun. Gemeinsam entwickeln wir aktuell einen Security- und Safety-Sensor. Wir kombinieren dabei optische Daten mit Informationen zur Raumluft. Mit diesem Team reden wir absolut auf Augenhöhe. Wir haben die gleichen Probleme, aber auch gemeinsam den großen Drang, effizient zu arbeiten und schnell Ergebnisse zu erzielen. Zudem haben wir von der Sächsischen Aufbaubank einen gemeinsamen Fördertopf generiert.

Kontaktdaten air-Q:
Webseite: www.air-q.com
Crowdfunding: Kickstarter
Facebook: fb.com/airQ.sensor/
Instagram: @airq.sensor
Linkedin: Mario Körösi

Über Ambivation
Ambivation verbindet innovative Unternehmen und Startups für Innovations-Partnerschaften. Dabei forciert Ambivation als Innovationsberatung und Matchmaker die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups im Rahmen von konkreten Kunden-, Lieferanten- und Forschungspartnerschaften. Wir unterstützen Unternehmen bei der Bedarfsidentifikation, Startupidentifikation, Startupbewertung und Kooperationsanbahnung mit Startups. Dazu dienen Formate wie beispielsweise die Recherche von relevanten Startups, ein Startup-Monitoring, strategische Kooperationsberatung oder Eventformate wie Startup Touren. Unser monatliche Newsletter informiert Sie über aktuelle Kooperationsbeispiele und Events zu diesen Kooperationen.