Pumpentausch leicht gemacht:
Startup Perto schließt Lücke im Energiemarkt

Häusle-Bauer und Unternehmen wissen: Veraltete Pumpen können wahnsinnig viel Energie verbrauchen. Das Berliner Startup Perto unterstützt sie beim Wechsel zu effizienteren Geräten. Von einer kostenlosen Verbrauchsanalyse über die Beantragung von Fördermitteln bis hin zur Installation gibt es hier alles aus einer Hand. Wie das Team mit diesem Rundum-Service sogar die Berliner Immobilienmanagement GmbH überzeugen konnte und warum Aufträge der öffentlichen Hand einige Hürden für Startups mit sich bringen, berichtet uns Perto-Gründer Sebastian Schröer.

Sebastian, beim Thema Pumpentausch denkt man erst einmal an Handwerksbetriebe. Was definiert euch als Startup?

(Lacht) Ja, das klingt vielleicht zunächst unsexy. Es ist aber total naheliegend. Das Thema Energieeffizienz ist ein riesiger Bereich und wir haben hier für uns eine Lücke entdeckt. Die Marktstruktur hat sich in Deutschland so entwickelt, dass kleine Handwerksbetriebe häufig für Pumpen zuständig sind. Das muss aber nicht so sein und bleiben. In England ist der größte Handwerksbetrieb beispielsweise ein Energieversorger, der über 5000 Handwerker angestellt hat. Die aktuelle Transformation im Energiemarkt lässt zu, dass auch kleine Firmen mit viel Technologie und innovativen Dienstleistungen wachsen können.

Welche Vorteile bietet ihr euren Kunden?

Ohne Perto müssten Kunden, die Pumpen austauschen lassen möchten, erst einmal eine Ingenieursgesellschaft beauftragen und die entsprechende Analyse bezahlen. Je nach Projektgröße sind dann ein Planer sowie ein oder sogar mehrere Handwerksbetriebe gefragt. Um von den aktuellen Subventionen in Höhe von 30 Prozent zu profitieren, muss sich zudem jemand um die Papierarbeit kümmern. Bei uns gibt es alles aus einer Hand. Dabei wickeln wir vieles über standardisierte, skalierbare IT-Prozesse ab und kooperieren mit regionalen Handwerksbetrieben.

Ich kann mir vorstellen, dass das auch für die Berliner Immobilienmanagement GmbH ein entscheidendes Argument war. Immerhin ging es bei eurem Auftrag für die BIM um über 60 Gebäude.

Ja. Man wollte einen Ansprechpartner, der sich um den gesamten Service von der Analyse bis zur Installation kümmert, damit möglichst wenig zusätzliche Arbeit anfällt und nicht verschiedene Firmen angefragt werden müssen. Hier haben wir uns deshalb mit zwei anderen Startups zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Egain war für die Optimierung der Heizungssteuerung zuständig und myWarm für den hydraulischen Abgleich. Wir haben dabei einen Ansprechpartner für unseren Kunden bestimmt, der alle drei Startups vertritt. Mit der Koordination untereinander mussten wir unseren Auftraggeber somit gar nicht behelligen. Das hat sehr gut funktioniert.


Perto-Gründer Sebastian Schröer

Ist es schwierig, solche Institutionen von euren Qualitäten als Startup zu überzeugen?

In diesem Fall merkten wir schnell, dass uns Vertrauen entgegengebracht wird und die Verhandlungen auf Augenhöhe stattfinden. Das ist für Startups in so einem Kontext längst nicht selbstverständlich. Es hat uns aber gezeigt, dass wir so ein umfangreiches Projekt stemmen können. Natürlich muss man dabei viel lernen. Und natürlich läuft auch mal etwas schief. Nichtsdestotrotz kann man sehr schnell Großes bewegen.

Bewerbt ihr euch jetzt regelmäßig auf solche Ausschreibungen?

Mittlerweile machen wir das immer mehr. Wobei es nicht so oft vorkommt, dass solche Ausschreibungen perfekt zu uns passen. Alles, was in der öffentlichen Hand liegt, muss ausgeschrieben werden, ist jedoch in der Regel nicht sehr Startup-freundlich. Typische Klauseln, die verhindern, dass wir uns bewerben, sind z.B. „Das Unternehmen muss älter als fünf Jahre sein.“,  „Der Auftragswert darf nicht mehr als 30 Prozent des Jahresumsatzes betragen,“ oder „Das Unternehmen muss ein Handwerksunternehmen sein.“ – Was wir nicht sind.

Für eine Firma, die neben Personalkosten auch noch Handwerker und Material bezahlen soll, bleibt zudem sicher die Frage der Vorfinanzierung, oder?

Ja, die Finanzierung kann für Startups eine massive Herausforderung sein. Besonders wenn zwischen Auftragsannahme und Bezahlung viele Monate liegen. Auch Banken bieten in solchen Fällen meist keine Zwischenfinanzierung an.

Wie habt ihr dieses Problem gelöst?

Wir haben nach unserer Gründung Ende 2016 zunächst eher kleine Aufträge angenommen, unterschiedliche Finanzierungsmethoden genutzt und uns nach und nach ein Image bzw. Referenzen aufgebaut. So gelingt es auch der Bank zu zeigen, dass man wächst, mehr Umsatz macht und alle Rechnungen bezahlt.

Zum anderen ist die BIM hier auch sehr fortschrittlich und hat Wege gefunden, die genannten Vorgaben so auszulegen, dass wir diese als junges Unternehmen erfüllen können. Für öffentliche Auftraggeber gibt es hier einen gewissen Ermessensspielraum. Eine zentrale Voraussetzung sind also die persönliche Offenheit und der Wille der Entscheidungsträger.

Das sind doch mal gute Neuigkeiten aus Berlin!

Ja, da ist die öffentliche Hand in Berlin wirklich fortschrittlich und erfüllt ihre Vorbildfunktion. Sie hält sich an die Klimaschutzbestimmungen und zeigt den Privatunternehmen, wie man Erfolge erzielt. Dafür hat die BIM übrigens kürzlich sogar den European Service Award im Bereich Klimaschutz gewonnen.

Website: perto.de

LinkedIn: Perto GmbH

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